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2018

zt – Die Stadtmusik Zofingen betreibt bestes Standortmarketing

Traditionsgemäss schloss das Jahreskonzert der Stadtmusik mit dem «Zofinger Marsch», ursprünglich «Gruss an Kiel» genannt und in Zofingen «eingebürgert» worden.

•Das Jahreskonzert beschrieb mit Wort, Bild und Musik einheimische Spezialitäten.
•Beim «Zofinger Marsch» brach spontan stehender Applaus aus.

Zofingen klingende Marktstadt“ verkündete ein riesengrosses Plakat an der Bühnenwand. „Ich weiss nicht was soll das bedeuten“ mögen sich viele Besucher gesagt haben. Anfänglich deutete (noch) nichts auf Ausserordentliches hin. Vorerst formierte sich unter der Leitung von Niklaus Hürny das Jugendblasorchester auf der Bühne und huldigte bemerkenswert einheitlich und schwungvoll den unvergesslichen Beatles. Dazwischen führte Stefan Kayser vor, welche Vielfalt an Klangmustern und straffem Rhythmus die Jungtambouren erzeugen können. Besonders deutlich geschah dies in „Tscheiver“, das ein wahres Feuerwerk an sprühenden Trommelschlägen auflodern liess.

«Es wott es Froueli z Märit ga»

Mit diesem ulkigen Volkslied eröffnete die Stadtmusik unkonventionell das Jahreskonzert. Zwar verspricht Dirigent Andreas Maeder im Programmheft, das Publikum werde zusammen mit der Marktfrau Inge Kohler die Zofinger Sehenswürdigkeiten wörtlich und musikalisch noch besser kennen. Nach dem ersten Stück dämmerte es dem Publikum, auf welch originelle und witzige Art dies geschehen wird. Im Hintergrund erschien das Bild der Markthalle, auch das Marktfraueli tauchte auf und erklärte, welche Bewandtnis es mit dem Kopfsteinpflaster hat: Wer hier auf den Boden knalle, brauche danach am Kopf ein Pflaster. Die folgenden „City Impressions“ beschreiben typisch das Treiben in einer Stadt, abwechselnd in beschaulichen und tumultartigen Passagen mit Donnerschlägen der Pauken dazwischen. So gehe es auch am Kinderfest im traditionellen Kampf zu, den ihres Wissens immer die Kadetten gewonnen hätten, kommentierte das Marktfraueli, was das anschliessende „Games of Thrones“ (Spiele um den Thron) bestätigte. „River City“ gab dann Anlass dazu, die Rolle des Stadtbaches zu beschreiben. Dieser habe allen Unrat des Städtlis weggeschwemmt, wusste das Fraueli. Man habe auch die Füsse darin waschen können, nur seien sie nachher nicht sauber gewesen. „In the Ghetto“ lautet der Titel eines Songs von Elvis Presley, worin er sich mit Ausgestossenen befasst. Auch die abgebildete Fegergasse habe dazu gedient, die Juden auszugrenzen, lautete diesmal der Kommentar. Dem letztes Jahr wieder entdeckten „Niklaus-Thut-Marsch“ folgte die Schilderung der Heldentat des Zofinger Stadtammans im Sempacherkrieg 1386. Vor der Pause wurden Andreas Siegenthaler als Aargauischer Veteran und Kurt Schneider für 45 Jahre Mitgliedschaft geehrt, davon 20 Jahre als Fähnrich.

Musik mit Geschichte(n) verknüpft

So ging es weiter. Wie es zur Umsetzung dieser Idee gekommen ist, erklärt Marktfrau Inge Kohler. „Ich habe mit der ganzen Stadtmusik eine Führung gemacht und nach musikalischen Verbindungen zur Stadtgeschichte gesucht. Alsdann haben wir gemeinsam ein Konzept ausgearbeitet“. So ist gelungen, dem „Einzug der Gladiatoren“ die Torschlusspanik bei den Stadteingängen gegenüberzustellen, den „Klezmer Karneval“ mit der Zofinger Fasnacht und „Der Gaukler“ mit dem „Billigen Jakob“ am Zofinger Markt zu vergleichen. Der Platz beim „Rössli“ löste „Sidi Abdel Nasar vo el Hama“ aus, und „Light my Fire“ die Erinnerung an Zofinger Feuerläufer hervor, die betrunken an einem Brand in Aarburg ankamen. So einleuchtend, wie Inge Kohler die Rolle der Marktfrau ausübte, so überzeugend waren auch die Interpretationen der dazu passenden Stücke. Die Stadtmusik konnte mit einem reichen Instrumentarium und damit auch mit einer Fülle von Klangfarben sowie punktgenauen Einsätzen beim Betonen von Akzenten aufwarten. Dirigent Andreas Maeder verfügt über eine ausserordentlich deutliche und mitnehmende Stabführung. Kein Wunder, dass Zugaben verlangt wurden. Zuerst gewährt mit „Der Barbier von Sevilla“. Das rief sofort wieder die Marktfrau auf den Platz. Sie kennt in Zofingen einen Schild mit einem Rasiermesser und zwei Kugeln. Letztere seien den Kunden in die hageren Wangen gesteckt worden, um sie weniger zu verletzen. Am Morgen sei der Ansturm immer gross gewesen, weil die Kugeln noch wenig eingesetzt waren. Beim „Zofinger Marsch“ brach spontan stehender Applaus aus.


Zofinger Tagblatt, 18.03.2018 / Kurt Buchmüller

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